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© Nadezhda Murmakova, Shutterstock.com

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In den Medien wird es als Schreckensnachricht verkündet – Die Wölfe kehren zurück nach Deutschland! Schon seit Jahrhunderten werden die Vorfahren der Hunde als grausame Bestien gefürchtet, obwohl sie eigentlich schon immer in Deutschland beheimatet waren. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Wolf dann komplett hierzulande ausgerottet. Wenn man sich die aktuellen Medienberichte zur Rückkehr der Wölfe nach Deutschland ansieht, dann scheint sich der Ruf der Tiere nicht wirklich gebessert zu haben. Heute wollen wir etwas Licht ins Dunkel der Geschichte vom bösen Wolf bringen.

Die Geschichte vom bösen Wolf

Die derzeit größte Gruppe, die sich gegen Wölfe ausspricht, sind oft Bauern und Landwirte oder generell Halter von Nutztieren. Verärgerte Bauern plädieren für sogenannte “Wolfsobergrenzen” oder sogar die Erschießung der Tiere, wenn sie einen Wolf in der Nähe ihrer Herde oder Ställe gesichtet haben. Kürzlich wurde erst ein Wolf in Brandenburg mit dem Titel “Problemwolf” versehen. Landwirte fürchten, dass ihre Nutztiere von den Wölfen gerissen werden und dass dadurch ihrer Lebensgrundlage geschadet wird oder diese sogar vernichtet wird. Dass ein Wolf Nutztiere reißt, ist auch tatsächlich schon vorgekommen. Ebenso fürchten sich auch viele auf dem Land ansässige Bewohner vor Wölfen, da diese schon seit vielen Jahrhunderten dämonisiert und gefürchtet werden. Angst um die Kinder, Angst um die Haustiere, Angst um sich selbst – wie viel Angst ist berechtigt?

Der Teufelskreis des 19. Jahrhunderts – mit dem Wolf als Leidtragendem

Im 19. Jahrhundert erreichte die negative Einstellung zum Wolf ihren Höhepunkt – oder sollte man besser sagen, dass ein Tiefpunkt erreicht wurde? Der Mensch bediente sich zu dieser Zeit, besonders in den Alpen, rücksichtslos an den natürlichen Holzvorräten und viele Waldweiden und Bergwälder wurden gerodet – so wurde auch der Lebensraum des Wolfes zerstört und andererseits auch der Lebensraum der Beutetiere des Wolfes. Dieser Umstand fließt mit einem anderen zusammen: Die Jagd auf Wild wurde zu dieser Zeit noch nicht geregelt. Das führte dazu, dass die Beutetiere des Wolfes wie z.B. Steinböcke, Rehe und Hirsche, in der Mitte des 19. Jahrhunderts beinahe ausgerottet wurden oder nur noch sehr selten anzutreffen waren. Diese Tatsache zwang die Wölfe dazu, sich den Lebensräumen des Menschen zu nähern und Haustiere und Nutztiere zu reißen. Das förderte die Verfolgung und Verteufelung des Wolfes noch mehr. Das Leben und Überleben der Bauern war zu dieser Zeit häufig an die Nutztiere gebunden und ein Verlust eines der wenigen Tiere, konnte das Leben einer ganzen Familie zerstören. Wurde ein Nutztier gerissen, konnte das wirkliche Dramen und Katastrophen für die Betroffenen bedeuten. Da auch Missernten und das Wetter, Risikofaktoren für den Ernteertrag darstellten, war die Bedrohung durch den Wolf ein weiteres, nicht zumutbares Übel für die Betroffenen. Aus diesem Grund war es vielerorts üblich, einen Wolf zu töten oder man war sogar dazu verpflichtet. Es gab zudem auch sogenannte Schussgelder und Abschussprämien, die für Viele das Jagen des Wolfes attraktiv machten, um die persönlichen Verluste bei der Ernte auszugleichen. Die Not der Menschen stand der Not des Wolfes gegenüber. Nach weiteren Jahren des “Wolfshasses” waren die Vorfahren der Hunde dann in Deutschland komplett ausgerottet – sowie in den anderen europäischen Ländern übrigens auch, Italien ausgenommen.

Plädoyer an den Menschen für den Wolf – Wir sind nicht allein auf dieser Erde

© Bildagentur Zooaar GmbH, Shutterstock.com

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Bevor wir Menschen uns mit der Land- und Weidewirtschaft im Lebensraum der Wölfe ausgebreitet haben und diesen zerstörten, war der Wolf das am meisten verbreitete Landsäugetier auf der Erde. Vom popülarsten Säugetier auf der Welt zum fast vollständig ausgerotteten Monstrum auf einem ganzen Kontinent. Auch wenn wir Menschen es immer wieder zu denken scheinen und dementsprechend handeln, sind wir nicht alleine auf dieser Welt. Die Ehrfurcht vor der Natur und der Respekt vor der Tierwelt kehren nun langsam wieder, durch Aufklärung engagierter Organisationen, zurück – so auch der Wolf.

1996 wurde in der Lausitz erstmals wieder ein Wolf in freier Wildbahn gesichtet. Das kam in der (ehemaligen) DDR damals häufiger vor. Es kam leider auch direkt wieder zu Erschießungen der Tiere, weil der Wolf damals noch nicht unter Tierschutz stand. Seit Anfang des 21. Jahrhunderts, also etwa 150 Jahre nach seiner Ausrottung, breiten sich die Wölfe langsam wieder in Deutschland aus und kommen aus Polen zu uns. Die Rückkehr des Wolfes steht vor dem Hintergrund der weltweiten, massiven Schädigung der Artenvielfalt. Mittlerweile leben wieder rund 40 Wolfsrudel, etwa 121 Wölfe, in Deutschland (Stand 15.04.2016) – mit den Wölfen aus Polen zusammengerechnet stellt es das kleinste Rudel in Europa dar, aber wir wollen an dieser Stelle nicht meckern. Die Besiedlung der Tiere konzentriert sich auf Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg, aber auch Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern sind vereinzelt von Wölfen besiedelt. Eigentlich ein Grund zur Freude, sollte man meinen – wieso also die negative Berichterstattung und Angstmacherei? Die mangelnde Aufklärung und Sturheit des Menschen, wahrscheinlich. Die Rückkehr der Tiere in ihre ehemaligen Lebensräume zeigt aber immerhin, dass sich die Bedingungen für das Überleben des Wolfes gebessert haben. Eine Einsicht der Deutschen? Teilweise. Unser Bundesumweltministerium fördert zwar die Rückkehr der Wölfe, ist dazu gesetzlich allerdings auch verpflichtet worden. Der internationale, rechtliche Hintergrund der Berner Konvention (Listung in Anhang II), weist den Wolf als streng zu schützende Tierart aus. Abschließend ist also nur noch zu sagen: Verständnis, Aufklärung und positivere Berichterstattung über Wölfe, sollte zunehmen, damit der Wille und die Bereitschaft den Wolf halten zu wollen, in der Bevölkerung steigt. Es gibt rechtliche Mittel und Wege, Förderprogramme und Sponsoren für Landwirte, die aufrüsten müssen, um ihre Tiere vor den Wölfen zu schützen. Solange der Mensch aber bedachter und ehrfürchtiger mit der Natur umgeht, sollte so etwas wie im 19. Jahrhundert nicht nochmal vorkommen. Toi, toi, toi, lieber, böser Wolf.

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