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Wie eine Katze mein ganzes Leben veränderte

Als ich meine erste Begegnung mit Tieren hatte, war ich etwa zehn Jahre alt. Ich machte mit meiner Familie Ferien in Waldmünchen in Süddeutschland. Eines Tages fand ich auf einer Müllkippe ein Katzenbaby, abgemagert hilflos und völlig verlaust. Ich brachte den Zausel, der mehr einer Ratte als einer Katze ähnelte, zu meinen Eltern und bettelte: “Darf ich meine Freundin gesund pflegen und behalten?” Ich durfte.

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Der junge Alexander Conradt mit der Katze „Läuschen“

Ein Name war schnell gefunden. Ich taufte meinen Liebling “Läuschen”, trug ihn den ganzen Tag spazieren, fütterte ihn mit Frühstücksresten und nahm ihn abends zum Leidwesen meiner Eltern sogar mit ins Bett, nachdem ich das Läuseproblem mit Hilfe eines Tierarztes gelöst hatte.

Mein kindliches Vertrauen zerbarst wie Kristall

Läuschen und ich waren unzertrennlich. Vier Wochen blieben wir in Waldmünchen. Wenige Tage vor der Abreise sprach ich noch einmal mit meinem Vater: “Es bleibt doch dabei, dass ich mein Kätzchen mitnehmen kann?” Mein Vater runzelte die Stirn, nahm mich in den Arm: “Sieh mal, mein Junge, deine Katze hat es doch hier viel besser. Und weil ich wusste, dass du mich fragen würdest, habe ich schon mal mit dem Bauern von nebenan gesprochen. Er wird dein Katzenkind bei sich aufnehmen. Läuschen wird es bestimmt ein Leben lang sehr gut haben.”

Einerseits war ich todunglücklich, weil ich Abschied nehmen musste. Andererseits sollte es meinem Kätzchen ja an nichts fehlen. Meine Kinderseele war jedoch so voller Vertrauen, dass ich zwar schweren Herzens, aber doch einverstanden einwilligte. Es kam der Tag der Abreise. Meine Eltern trugen die Koffer zum Bus, der wenige hundert Meter entfernt wartete. Ich zupfte am Kleid meiner Mutter. “Ich muss nochmal weg. Ich bin gleich wieder da.

Ich sehe alles, was damals passierte, noch ganz deutlich vor mir, so als sei es erst gestern geschehen und nicht vor 56 Jahren. So schnell ich konnte, lief ich zur Mülldeponie. Hier hatte ich ja meine große Liebe gefunden. Plötzlich erstarrte ich. Dort, auf einem Berg von Müll, lag mein geliebtes Läuschen. Tot, erschlagen, weggeworfen. Es war wohl der schlimmste Moment in meinem jungen Leben.

Nein, ich fühlte keine Enttäuschung, keinen Schmerz, keine Verzweiflung. Es war viel, viel schlimmer. Etwas war für alle Zeiten in mir zerbrochen. Die Seele eines Kindes war wie ein Kristall in tausend Splitter zersprungen. Es gibt einen Schmerz, der ist so grausam, dass man nicht einmal weinen kann. So ging es mir. Ich habe auf der Heimfahrt und in den Jahrzehnten danach nie wieder geweint. Ich war dazu nicht mehr fähig. Und ich habe nie wieder einem Menschen vertraut.

Tiere sind kein Müll, sondern Freunde und Partner

Die Geschichte von Läuschen und die Liebe zu diesem Kätzchen aber behielt ich tief in meinem Herzen. Erst vor wenigen Jahren erzählte ich sie meinen Eltern. Und ich schilderte sie in meinem zweiten “Irmchen”-Roman. Aber warum schreibe ich Ihnen das alles? Haben Sie Kinder? Ja? Dann fügen Sie den Seelen Ihrer Kinder niemals diesen Schaden zu. Es ist heute wissenschaftlich erwiesen, dass Kinder klüger und glücklicher werden, wenn sie mit Tieren aufwachsen. Sie werden aber zerbrechen, wenn Sie dem geliebten Tier Ihres Kindes so etwas antun. Und nicht wenige Menschen setzen ihr Haustier einfach vor die Tür, wenn sie seiner überdrüssig sind, wenn der Urlaub ins Haus steht, wenn das Tier Arbeit und Mühe macht.

Tiere sind kein Müll, den man einfach so entsorgt. Tiere sind liebenswerte Geschöpfe, Freunde und Partner. Sie haben eine Seele wie wir Menschen. Sie können wie wir Traurigkeit, Liebe und Geborgenheit empfinden.

Kinder sind das Kostbarste, was wir besitzen

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Gastautor Alexander Conradt

Und denken Sie an die Kinder. Sie sind das Kostbarste, was wir besitzen. Zerstören Sie nicht ihre Seelen, vernichten Sie nicht ihr Grundvertrauen, das sie befähigt, glücklich durchs Leben zu gehen. Das Grundvertrauen eines Kindes ist eine zarte Pflanze. Helfen Sie mit, daraus einen großen, starken Baum zu machen. Und ich bin sicher: Ihr Kind wird diese Liebe zu seinem Tier, zu allen Tieren, weitergeben an die nächste Generation.

Was ist von Läuschen geblieben? Nicht nur die Erinnerung an ein geliebtes Tier. Ich dachte beim Schreiben meiner Katzenromane oft an damals zurück. Ich wolle, dass Läuschen nicht vergebens sterben musste. Dieser kleinen Katze hatte ich als Junge nicht helfen können. Als Erwachsener war es mir möglich, viele tausend Tiere zu retten.

So gesehen ist Läuschen also nicht vergebens gestorben.

Ihr Alexander Conradt

 

 

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