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Wenn die Schnauze grau wird…

Mit unseren Haustieren möchten wir so lange wie möglich gemeinsam durchs Leben gehen. Aber auch unsere Vierbeiner werden mit zunehmendem Alter ruhiger, langsamer, zerstreuter – eben älter.. genau wie Oma und Opa. Anlässlich des Welt-Alzheimer-Tages, dem 21. September, möchte ich heute über meine persönlichen Erfahrungen mit meiner Katze Bonnie berichten. Denn: Auch Hunde und Katzen können dement werden oder an Alzheimer erkranken. Um anderen Tierhaltern den Umgang mit der Krankheit eventuell zu erleichtern, erzähle ich in diesem Artikel Bonnie´s Geschichte – eine Perserdame, die 20 Jahre alt wurde und in den letzten Lebensjahren unter Demenz litt.

Unsere gemeinsame Geschichte

Demenz bei Katzeb

Bonni als Baby

Bonnie und ich lernten uns schon ganz zu Beginn unserer Leben kennen. Ich war vier Jahre alt, und Bonnie wurde zusammen mit ihrem Bruder Clyde in unsere kleine dreiköpfige Familie hineingeboren. Schon nach zwei Jahren wurde bei Bonnie eine schwere Niereninsuffizienz diagnostiziert. Mehrere Monate lang mussten wir ihr Zuhause Kochsalz-Infusionen legen (, um ihren Flüssigkeitshaushalt stabil zu halten). Ich hielt Bonnie schon in jungen Jahren ihre Pfote und hoffte, dass alles wieder gut werden würde. Entgegen der Diagnose des Tierarztes (“Die macht kein Jahr mehr.”) vergingen weitere 16 lange Jahre, in denen Bonnie sich trotz aller Erwartungen bester Gesundheit erfreute. Sie war eine ruhige und elegante Katze, die in ihrer ganzen Lebenszeit nicht ein einziges Mal ihre Krallen gegen Mensch oder Tier ausfuhr.

Achtzehn Jahre lang verbrachten wir nahezu jeden Tag gemeinsam in meinem Elternhaus. Als mein “volljähriges Ich” dann den Beschluss fasste, in die erste eigene Wohnung ziehen zu wollen, war eines ganz klar: Bonnie und Clyde mussten mitkommen. Wir waren unzertrennlich – ein Leben ohne die beiden war für mich undenkbar gewesen. Da es Bonnie gesundheitlich gut ging, zog sie gemeinsam mit Bruder Clyde in meine erste eigene Wohnung. Nach kurzer Eingewöhnungszeit waren wir Drei wieder ganz im Alltagstrott angekommen. Ich war froh, die beiden bei mir zu haben. Bonnie schlief jede Nacht auf meinem Rücken (Ja, hier schreibt ein Bauchschläfer), sie weckte mich pünktlich zu ihrer Frühstückszeit und legte sich sobald ich mich einmal hinsetzte, auf meinen Bauch und schlief in Sekundenschnelle ein.

Der Beginn der Demenz

Ungefähr ein halbes Jahr nach dem Umzug begann Bonnie, die nun schon immerhin 18 Jahre alte Perserdame, neben ihr Katzenklo zu machen. Ich war zunächst ratlos und der Meinung, sie würde es schlichtweg “verfehlen”.. “Das kann einem im hohen Alter ja schon mal passieren”, sagte mir meine Uroma.

Nach einiger Zeit aber machte Bonnie überall in die Wohnung. Die ersten selbstgekauften Möbel wurden entsorgt und mittlerweile machte ich mir ernsthafte Sorgen um sie. Ich rief eine Tierärztin nach Hause, damit die alte Dame nicht dem Stress der Tierarztpraxis ausgesetzt werden musste. Der Ärztin schilderte ich meine Beobachtungen. Blut wurde abgenommen – neben der bereits bekannten Niereninsuffizienz lautete die Diagnose: Demenz.

Und nun? Was kann man machen? “Leider nicht besonders viel”, hieß es. Bei befreundeten Tierärzten, in Fachbüchern und im Internet informierte ich mich über Möglichkeiten, um der Demenz so gut wie möglich entgegenzuwirken. Ich stellte Bonnie´s Futter um, besorgte niedrigere Katzenklos und machte die Wohnung “seniorengerecht”.

Wenn die Katze im Klo sitzt

Demenz im Alter bei Katzen

Bonnie mit 19 Jahren

Bonnies Demenz äußerte sich, anders als bei vielen anderen Tieren, nicht durch Aggressivität, Ängstlichkeit oder Müdigkeit, sondern durch eine deutlich erhöhte Aktivität. Obwohl Körper und Verhalten von ihr zeigten, dass sie mittlerweile nicht mehr allzu gut sah und Gleichgewichtsprobleme hatte, wandelte sich Bonnie zu einer kleinen Abenteuerkatze – und das, obwohl sie in ihren jungen Jahren so ruhig war. Die wegen Bonnie nun „barrierefreie“ Wohnung sowie der geduldige Umgang mit den Folgen ihrer Demenz, erleichterten ihr so manches abenteuerliche Vorhaben.

Bonnie verlor den Bezug zu Raum und Zeit, wanderte ziellos durch die Wohnung, versuchte auf jeden noch so unerreichbaren Schrank zu springen und bekam einen wahnsinnigen Appetit, der sie jede kätzische Höflichkeitsfloskel vergessen ließ. Ich traf sie sitzend IN der Toilette vor, sie wollte in die (volle) Badewanne springen und pullerte mir so manch ein Mal auf den Bauch während sie schlief. Mein Gefühl sagte mir, dass Bonnie jetzt wahrscheinlich nicht mehr viele Jahre bei mir sein würde. Obwohl mehrere Tierärzte mir empfohlen, sie doch besser einschläfern zu lassen, widerstrebte mir dieser Gedanke bis tief ins Mark und ich entschloss mich dazu, ihr die verbleibende Lebenszeit noch so schön wie möglich zu gestalten. Solange Bonnie noch Freude am Leben hatte und keine Schmerzen, gab es für mich keinen Grund unserer langen Freundschaft, ein Ende zu setzen (Das machen wir ja auch nicht mit Oma Gertrude, oder?).

Ich entwickelte nach kurzer Zeit ein Gespür dafür, was Bonnie suchte, half ihr, es zu finden (ergo: Katzenklo) und versuchte ihr, die letzte Zeit noch so angenehm wie möglich zu machen. Ich stand jeden Tag eine Stunde früher auf, ging nach der Arbeit schnell nach Hause und verbrachte so viel Zeit wie nur möglich mit Bonnie.

Wir lagen noch ein halbes Jahr zusammen in der Sonne, aßen gemeinsam laktosefreien Joghurt und saßen sogar einmal zusammen in der Badewanne, denn Wasser wurde während der Demenz  sehr spannend für Bonnie. Vergangenen November starb Bonnie nach 20 Lebensjahren in meinen Armen und wurde im Garten meiner Eltern beerdigt.

Was diese Geschichte sagen soll: Habt Geduld, Verständnis und geht auf jedes noch so unsinnig wirkende Bedürfnis Eures Vierbeiners in seiner letzten Lebenszeit ein. Nicht nur er wird es Euch danken, sondern am meisten Ihr euch selbst: wenn Ihr morgens nichts mehr mit all der Zeit anzufangen wisst, das Mauzen oder Bellen vermisst, und wenn Ihr nachts aufwacht, um Euren Vierbeiner zu suchen. Der ganze Schmerz und die Trauer werden aufgewogen mit der Freude an den vielen gemeinsamen und unvergesslichen Jahren.

 

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